Verein Pázmaneum, Verein Mécs László, Stiftung Jó Pásztor

 

Offener Brief der Gläubigen ungarischer Nationalität und ihrer Seelorger an die Slowakischen Bischofskonferenz

Wie es bereits der breiten Öffentlichkeit bekannt ist, haben die höchsten Vertreter der Ka-tholischen Kirche in der Slowakei am 14. Februar 2008 die Umstrukturierung der römisch-katholischen, bzw. die Errichtung von zweier neuen Diözesen veröffentlicht. In diesem Zusammenhang hat die Slowakische Bischofskonferenz. (SlBK) noch am selben Tag eine Erklärung ausgegeben für die Priester und Gläubigen in der sie unter anderen uns zum Dank ereifert hinsichtlich der Neuordnung der Diözesen in der Slowakei.

Wir, die Seelsorger jener Pfarrgemeinden, die an Gebieten liegen, welche nationalitätenge-mäss gemischt sind, als auch die hier lebenden Gläubigen ungarischer Nationalität möchten hiermit nach Bekanntgabe der obigen Umstrukturierung unserer tiefen Enttäuschung Aus-druck verleihen, und zwar aus folgenden Ursachen:

a)      Die S1BK hat bei der Ausarbeitung des Plans für die Neustrukturierung keine Rücksicht genommen darauf, dass sich mit der vorliegenden Lösung die natürliche Einheit jener am Gebiet der gewesenen Erzdiözese Pressburg-Tyrnau /=Bratislava-Trnava/ leben­den Gläubigen ungarischer Nationalität auflöst. Wir befurchten dass eine solche Um­strukturierung die unbemerkbare Assimilation der ungarischen nationalen Minderheit beschleunigen kann. Offensichtlich um dieser Zielsetzung willen hat man auf solche Weise die „nord-südliche" und nicht eine „west-östliche" Aufteilung gewählt. Damit hat man die natürliche Einheit der Gläubigen ungarischer Nationalität in Rahmen von 4 Diözesen aufgeteilt. Diese für uns sehr ungünstige Aufteilung welche uns an eine Zwangsehe erinnert, welche jedoch gewöhnlich kaum glücklich ist - nehmen wir zur Kenntnis, aber sind wir damit nicht zufrieden.

b)      Hoffend warteten wir darauf, dass die S1BK in seinem Plan nebst der Umstrukturierung der Diözesen den Heiligen Stuhl bitten wird, dass er einen Bischof aus der Reihen der ungarischen Minderheit ernennen möge, oder ein Bischof mit entsprechendem Rechtbe-fugnis betraut werden könnte, den Dienst der Gläubigen an den Gebieten mit nationali-tätsmässig gemischten Bevölkerung analog, wie ein Militärbischof oder auf eine andere Weise versorgen. Damit hätten die slowakischen Bischofväter einen schönen Gest in Richtung der ungarischen katholischen Minderheit und deren Priester üben und dieser wäre auch eine klare Kundgebung der wahren Brüderliebe und Einheit der in der Slowakei lebenden katholischen Christen. Bekennen sich doch unter den Personen unga­rischer Nationalität fast 400 000 als Katholiken. Diese Hoffnung wurde in uns noch mehr bestärkt nach der sehr günstigen Ordnung der Situation unserer griechisch katho­lischen Mitbrüder in der Slowakei. Wir waren gewiss, dass etwas ähnliches wird auch mit uns geschehen. Wir warteten, dass die S1BK auch für uns eine günstige Lösung vor-bereitet hat. Leider aber stellten wir mit Wehmut unserer Herzen fest, dass sich die Situation der ungarischen katholischen Minderheit nach der Neuordnung der Diözesen noch merh verschlechtern kann, falls die S1BK um die pastorale Betreuung derselben in der nahen Zukunft keiner günstigen Lösung nachdenkt. Bisher war die pastorale Betreu-ung der Gläubigen ungarischer Nationalität verhältnismässig befriedend gelöst in der gewesenen Erzdiözese Pressburg-Tyrnau, wenigstens am Niveau eines der ungarischen Sprache mächtigen Bischofs, was sich auch daran offenbarte, dass das geistige Leben der Gläubigen ungarischer Nationalität im Aufschwung befand. Weder in der Bekanntmachung der Umstrukturierung der Diözesen, noch in der Erklärung der S1BK fiel ein Wort ber die ungarische katholische Minderheit, auch nicht über eine solche Verheissung, wonach in der nahen Zukunft eine günstige Lösung für ihre pastorale Betreuung gesucht wird, weil eine neue Situation entstanden ist. Auch deswegen sind wir enttäuscht.

c)      Leider, vor der Ausarbeitung des Plans der Umstrukturierung der Diözesen wurden die in der Seelsorge tätigen Priester – als die nähesten Mitarbeiter der Bischöfe – die die Situation der einzelnen Pfarreien der Diözesen am besten kennen, nicht konsultiert. So konnte es geschehen, dass man über uns ohne uns entschied. Geht es jedoch um ein Ereignis von geschichtlicher Bedeutung, das die Zukunft der Katholischen Kirche in der Slowakei berührt.

Wir sind bewusst dessen, dass die Kirche nicht ungarisch oder slowakisch ist…, sondern römisch oder griechisch katholisch. Es soll aber bemerkt werden, dass die Kirche aus Mitgliedern verschiedenen Nationen besteht. So ist die Kirche in der Slowakei aus Mitgliedern der slowakischen Nation und jenen der nationalen Minderheiten gebildet, die sich alle zur römisch katholischen Religion bekennen. Fragen  wir aber ob es verfehlt wäre, wenn zwischen den Mitgliedern der SlBK einer auch ungarischer Nationalität wäre, der die 400 000 Katholiken ungarischer Nationalität vertrete, die ebenfalls zur Katholischen Kirche in der Slowakei gehören? Schauen wir einmal an, wie steht dies in der Welt und in den uns umgebenden Staaten. In der Ukraine z. B. haben die in Minderheit lebenden slowakischen Katholiken in der Karpatenukraine auch einen slowakischen Bischof: S. E. Mons. Milan Šášik.

In Kanada gibt es eine Eparchie für 10 400 griechisch Katholiken mit Sitz in Toronto. Sie wird von 7 Pfarreien gebildet, welche auch einen slowakischen Bischof hat, nämlich S. E. Mons. John Pažak. Die in den USA lebenden slowakischen Katholiken haben ebenfalls einen slowakischen Bischof und zwar S. E. Mons. Jozef Viktor Adamec. Die in Rumänien, Serbien und in der Ukraine lebende ungarische Minderheit hat auch je einen Bischof ungarischer Nationalität. Eine Ausnahme bildet nur die Slowakei, wo die 400 000 Gläubigen ungarischer Nationalität kienen ungarischen Bischof haben, ja nicht einmal einen Bischof, der von SlBK für die pastorale Fürsorge einer so zahlreichen Gruppe der ungarischen Minderheit beauftragt wäre. Dabei ist es ein Paradox, dass die zahlenmässig kleinere Roma Minderheit ebenfalls einen beauftragten Bischof hat, namentlich S. E. Mons. Bernard Bober.

Was die Entfernung vom Bischofsitz betrifft, sind wir der Meinung, dass der Bischof dann am nächsten zu uns ist, wenn er unsere Sprache kennt, unserem Wort zuhört, unsre Situation versteht und für uns Mitgefühl hat. Auch wir wollen so, wie unsere slowakische Mitbrüder, nebst unserem Glauben unsere nationale Identität bewahren. Die physische Entfernung vom Bischofsitz spielt so wie kaum eine grosse Rolle in unseren heutigen motorisierten Welt, sowohl in der EU, als auch im Rahmen der Diözesangrenzen.

Auch dessen sind wir bewusst, dass die Ernennung der Bischöfe ein exklusives Recht des Heiligen Stuhls ist. Offensichtlich ist es jedoch auch, dass im Notfall die Ernennung eines Bischofs allgemein der Diözesanbischof oder die SlBK vom Heiligen Stuhl bitten muss. Der Umstand, dass der Hl. Stuhl bis jetzt keinen Bischof aus Reihen der ungarischen nationalen Minderheit ernannt hat mit Befugnissen für ihre pastorale Fürsorge ist offensichtlich dem Fakt zuzuschreiben, dass sich die SlBK bisher mit keiner solchen Bitte an den Hl. Stuhl gewendet hat trotz dem, dass wir es Jahre hindurch von Ihm anlässlich der Gebetstage in Komorn (Komárno, Komárom) und aus anderen Anlässen baten.

Das Dekret Christus Dominus des II. Vatikanischen Konzils besagt im § 23: „Bei der Abgrenzung des Diözesangebietes nehme man, soweit möglich, auf die verschiedenartige Zusammensetzung des Gottesvolkes Rücksicht, die viel dazu beitragen kann, die Seelsorge besser auszuüben. Gleichzeitig trage man dafür Sorge, daß demographische Zusammenfassungen der Bevölkerung mit den staatlichen Behörden und sozialen Einrichtungen, die ihre organische Struktur ausmachen, möglichst in ihrer Einheit gewahrt bleiben. Gegebenenfalls achte man auch auf die Grenzen der staatlichen Bezirke und auf die besonderen Eigenheiten der Menschen und der Gegenden, z. B. psychologischer, wirtschaftlicher, geographischer oder geschichtlicher Art.

…werde ebenso für die Gläubigen einer anderen Muttersprache gesorgt, sei es durch Priester oder Pfarreien dieser Sprache, sei es durch einen bischöflichen Vikar, der diese Sprache beherrscht und gegebenenfalls auch mit der Bischofsweihe ausgestattet ist, sei es schließlich auf eine andere sachdienliche Weise.”

Der § 2. Can. 372. CIC bietet die Möglichkeit für die Errichtung einer persönlichen Teilkirche nach sprachlichem und nationalem Unterschied (auf Grund der Analogie mit Can. 518. des CIC) und zwar am Gebiet aller Diözesen, wo Gläubigen ungarischer Nationalität leben.

Daher bitten wir neuerlich die Hochwürdigen Bischof-Väter, erhören sie die Bitte von 400 000 ungarischen Katholiken und leiten sie diese weiter an den Hl. Stuhl! Das Wohl der Kirche in der Slowakei halten auch wir vor Augen. Doch zur Zufriedenheit aller Gläubigen muss man auch auf eine rechtmässige Bitte der nationalen Minderheiten Rücksicht nehmen. Dann werden wir Ursache zur Freude und Danksage haben. Bis dahin aber nicht!

Die Brüder aus Saloniki, der Hl. Kyrilos und Methodios haben ein schönes und kluges Beispiel der erfolgreichen Evangelisation hinterlassen. Aus Liebe zu den slawischen Völkern haben sie sich die Muttersprache des ihnen anvertrauten Volkes  angeignet und haben angefangen das Evangelium in der Sprache des Volkes zu verkünden. Ihr Erfolg war wunderbar: die slawischen Völker haben den christlichen Glauben angenommen. Sie haben auch dafür gesorgt, dass ihre Nachfolger Seelenhirte seien, die aus dem ihnen anvertrauten Volk stammen. Es wäre nützlich für die erfolgreiche Evangelisation unserer Tage ihr Beispiel zu folgen. Auch wir bitten zusammen mit euch: „Herr, das Erbe unserer Väter bewahre uns!”

Wir sind überzeugt, dass Sie den Inhalt dieses Briefes nicht so verstehen werden, wie eine Unehrerbietigkeit gegen die kirchlichen Vorsteher. Dieser wurde überhaupt nicht mit solcher Absicht geschrieben, sondern nur als Ausdruck des Vertrauens der ungarischen Gläubigen zu den höchsten kirchlichen Vorstehern.

Um die Erhörung unserer Bitte werden wir auch weiter zum Herrn flehen an den gemeinsamen Gebetstreffen der verschiedenen Gemeinden, welche die Gläubigen auch mit ihren Unterschriften bekräftigen willen, ereifert durch die Wörter des Guten Hirten: „Bittet und ihr werdet erhalten…”

Aufrichtig danken wir Ihr väterliches Verständnis!

Hochachtungsvoll und mit dem katholischen Gruss: Laudetur Jesus Christus!

 

Die Gläubigen ungarischer Nationalität und ihre Seelsorger, die am nationalitätlich gemischten Gebiet wirken

 

26.2.2008, Dunajská Streda (Dunaszerdahely)